Zum Bild: Opferlichter am orthodoxen Mariengrab, Jerusalem

Aushalten, Warten, Hoffen

 

Lied des Tages:

In der Stille angekommen

 

https://www.youtube.com/watch?v=LEHF0vdDIEo

 

Der Karsamstag verlangt uns postmodernen Christen, die wir längst von der Auferstehung Jesu und von seinem Sieg über den Tod wissen, viel ab: Mit den Jüngern Jesu Wache halten am Grab, hoffen, bangen, warten, die Ungewissheit aushalten. Das sind nicht gerade Tugenden, die uns gut liegen…

Um genau dieser Sabbat-Grabesruhe Raum zu geben, ist der Karsamstag traditionell ein stiller und „liturgie-freier“ Tag. Auch in den Evangelien, die Kreuzweg und Kreuzigung Jesu ziemlich detailliert schildern, findet sich kaum etwas zur Zwischenzeit zwischen Tod und Auferstehung Jesu. Deshalb steigt dieser Impuls am späteren Abend des Karfreitags ein… 

 

Und siehe, da war ein Mann mit Namen Josef, ein Mitglied des hohen Rats und ein guter und gerechter Mensch. Dieser hatte ihrem Beschluss und Vorgehen nicht zugestimmt. Er war aus Arimathäa […] und wartete auf das Reich Gottes.

  • Josef musste mitansehen, wie seine Kollegen im Hohen Rat Jesus ans Kreuz brachten. Auf ihn hatte er im Stillen all seine Hoffnung gesetzt. Welche Enttäuschung!
  • Sein Gewissen treibt ihn an, Jesus diesen Liebesdienst zu erweisen und ihm ein würdiges Begräbnis zu ermöglichen, wenn er schon den Tod eines Verbrechers sterben musste…
  • Jesus, auch mitten unter uns gibt es viele gute und gerechte Menschen. Stärke sie, mutig das Gute zur rechten Zeit zu tun!

Er ging zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. Und er nahm ihn vom Kreuz, hüllte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch niemand bestattet worden war. Das war Rüsttag, kurz bevor der Sabbat anbrach.

  • Josef weiß, dass Eile geboten ist, denn sobald die Sonne untergeht, beginnt der Sabbat. Die Versorgung von Verstorbenen oder Begräbnisse sind dann verboten.
  • Das Felsengrab hatte Josef wohl ursprünglich für sich selbst gekauft, jetzt stellt er es Jesus zur Verfügung. So kehrt Jesus über Umwege doch noch bei ihm ein…
  • Jesus, ich will sein, wie Josef. Kehre in mein Herz ein, dann kann ich ruhig werden und die Stille ertragen.

Die Frauen in seiner Nachfolge, die mit Jesus aus Galiläa gekommen waren, sahen das Grab und wie der Leichnam bestattet wurde. Dann kehrten sie heim und bereiteten wohlriechende Salben und Öle zu. Am Sabbat aber hielten sie die vom Gebot vorgeschriebene Ruhe ein.
(Lk 23, 50-56)

  • Die Frauen aus Galiläa tun vermutlich genau das Richtige in ihrer verzweifelten Situation: Sie trauern gemeinsam und pflegen dabei den alten jüdischen Brauch, seine Verstorbenen zu ehren: die Salbung
  • Jesus, du bist unser König, Priester und Prophet, du bist Gottes Sohn. Im Geiste verbinde ich mich mit den Frauen aus Galiläa und nehme Anteil an deiner Salbung.
  • Jesus, hilf uns, wie die Frauen die Grabesruhe auszuhalten, auch wenn wir am liebsten schon heute Ostern feiern möchten. Wir wissen: Nur wenn wir mit dir durch den Tod gehen, werden wir mit dir auferstehen!

 

Gebet

 

Jesus, du bist gekreuzigt worden und gestorben.

Es fällt mir schwer, mitanzusehen, welches Unheil dir zugefügt wurde.

Was mich tröstet: du hast es für mich über dich ergehen lassen.

Und: Das Leben wird siegen.

 

Ich bitte dich, sei an diesem Tag des Wartens und Bangens bei mir.

Stärke mein Vertrauen in deine Gerechtigkeit.

Zeige mir Wege, wie ich in dieser Krisenzeit ruhig und hilfreich sein kann,

im festen Vertrauen auf dein Heil.

 

Amen.