Kirche St. Anna

Geschichte der Kirche

Die Pfarrkirche St. Anna, die etwas erhöht in der Ortsmitte liegt, mitten in einem schönen Platz, dem 1919 aufgelassenen Friedhof, stammt im Kern aus der Spätgotik und entstand vermutlich in den Jahren um 1530. Der quadra-tische Turmunterbau wird von Kunsthistorikern in das frühe 16. Jahrhundert verlegt. Um 1566 – 1580 wurde der Turm erhöht. 1682 wurde er restauriert; gleichzeitig wurde ein neues Vorzeichen angebaut. 1717 beschloss man in der Kirche statt der beschädigten Täferdecke eine Stuckdecke durch den Maurermeister Simpert Krämer, Edelstetten, einbauen zu lassen. In dieser Zeit wurden auch die Langhausmauern erhöht und ein neuer Dachstuhl errichtet. 1743 bekam der Chorraum ein neues Gewölbe und die Kirchen-fenster wurden verändert. Der Altarraum wurde 1770/71 unter der Leitung von Joseph Bichlmayer aus Holzheim umgestaltet. Zu selben Zeit wurden auch die Altäre und die Kanzel erneuert und die Sakristei und der westliche Anbau errichtet.

Restaurierungen erfolgten unter anderem in den Jahren 1839, 1889/90 und 1909. Bei der Renovierung 1972/73 wurden ein Volksaltar und ein Ambo aus Teilen der Kommunionbank aufgestellt. Durchgeführt wurde diese Renovierung von den Kirchen-Restauratoren Lang und Hagn aus Lechbruck. In den Jahren 2008/09 wurde die Annakirche innen und außen grundlegend restauriert. Es erfolg-ten eine aufwändige Sanierung und die statische Sicherung des Dachstuhls und der Außenmauern. Dabei wurden auch die in den 70er Jahren unter der Empore angebrachten Kreuzwegstationen wieder in den Kirchenraum zurückgeführt. Außerdem wurde die Hl. Anna Selbdritt, die von einem dem Meister des Westportals am Ulmer Münster, Jörg Syrlin, nahestehenden Künstler (1505/10) stammt, von der Simpertkirche wieder in der Annakirche platziert. Gleichzeitig errichtete man auf dem Kirchendach die bei der vorherigen Renovierung entfernten Dachgauben neu.

Außen

Der hohe, schlanke Turm im süd-lichen Chorwinkel wurde um 1580 um das Oktogon (Achteck) erhöht und hat einen sechsgeschossigen quadratischen Unterbau ohne Gliederung aus dem frühen 16. Jahrhundert. 

Der Übergang zum zweigeschossi-gen Oktogon erfolgt durch kurze Dachschrägen über den Ecken. Den Zierformen zufolge gehört der Aufbau in das späte 16. Jahrhun-dert und ist dem Turmoberteil von St. Moritz in Augsburg nachemp-funden.

Unverwechselbar machen den Dinkelscherbener Kirchturm die steilen Spitz-giebel am Kuppelansatz, die mit vergoldeten Knäufen besetzt sind. Die Zwiebelhaube läuft in einer hohen Spitze aus und trägt ein Doppelkreuz. Der

Turm verdankt sein Entstehen einer Stiftung des Dompropstes Wolfgang Andreas Rehm von Kötz. Daran erinnert die Stifterinschrift auf der Wolfgang-Glocke von 1579.

Über dem Langhaus befindet sich ein steiles Satteldach. Das Chordach ist wesentlich niedriger. Beim Dachstuhl über dem Chor handelt es sich um ein Kehlbalkendach mit liegendem Stuhl und mittleren Hängesäulen, wohl um

1770 von dem einheimischen Zimmermeister Raimund Kraus errichtet. Der Langhausdachstuhl stammt aus der Zeit um 1717, noch mit angeplatteten Kopfbügen. Die um 1743 an die Apsis angebaute tonnengewölbte, rundbogig

geöffnete Nische beherbergt im unteren Stockwerk den Kerkerheiland und darüber eine Ölberg-Gruppe mit Jesus, drei Jüngern und dem Engel. Der Kerkerheiland entstand um 1750, die Ölberg-Gruppe stammt bereits aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Sie wurde durch eine Spende des Frauenbundes im Jahr 2010 restauriert.

In den Nischen der Vorzeichen befinden sich die Mitte der 1990er Jahre neu geschnitzten Figuren von Joachim und Anna.

Innenraum

Zu den ältesten noch erhaltenen Kunstwerken der Pfarrkirche St. Anna gehören einige Fresken aus der Zeit um 1575, welche heute im Pfarrzentrum ausgestellt sind. Die Abbildung zeigt als besonders gut erhaltenes Exemplar die Darstellung einer Kreuzigungsgruppe.

Der Stuck im Chor ist Johann Michael Hoiß aus Apfeldorf zuzuschreiben und wurde um 1770 gefertigt. Am Decken-spiegel findet sich ein großes, längliches Bildfeld in blumenbesetztem Rahmen mit eingeschwungenen Ecken und flach-runden Schmalseiten. Der Gewölbe-stuck im Langhaus von Simpert Kraemer (1717) ist die einzige noch erhaltene Gipsarbeit des Meisters. Die Deckenbilder in Chor und Langhaus stammen von Joseph Christ aus Augsburg (1770/71).

 

Im Chor ist die Verehrung des Allerheiligsten Altarsakramentes durch die vier Erdteile unter dem Schutz von Glaube,Hoffnung und Liebe allegorisch darge-stellt (renoviert von Fischer 1889). In Medaillons sind die vier Evangelisten zu sehen, dazwischen als Symbol für den Alten Bund die Gesetzestafeln des Moses mit Schaubroten und Räucherwerk und als Symbol für den Neuen Bund das Lamm Gottes über dem Buch mit den sieben Siegeln und dem Kreuz.

In den Bildfeldern am Deckenscheitel des Langhauses finden sich Szenen aus dem Marienleben (Freudenreicher Rosenkranz):

Verkündigung, Geburt Christi, Darbringung im Tempel, der zwölfjährige Jesus im Tempel. In den Stichkappen sind symbolische Darstellungen um 1890 (wohl von Joseph Fischer, Augsburg um 1890), paarweise meist thematisch den Hauptbildern der Decke zugeordnet – rechts/ links vorne beginnend: Arche Noahs Regenbogen; Insignien König Davids, Morgenstern; Stieropfer des Elias, Widder-Opfer Abrahams; Endzeit: Glühende Sonne, Engelskopf mit Posaune.

Die Medaillons an den Seitenwänden sind 1770 von Joseph Christ, Augsburg 1770 gemalt und stellen neben Christus und Maria die zwölf Apostel dar. Vorne links beginnend: Christus, Petrus, Andreas, Jakobus der Ältere mit der Muschel, Johannes, Philippus; rechts: Maria, Matthias, Thaddäus, Simon Zelotes, Jakobus minor, Matthäus, Bartholomäus und Thomas.

An der unteren Emporbrüstung: Der hl. Joseph als Brautwerber, Verheißung an Anna, Anna lehrt Maria das Lesen im Alten Testament, Tempelgang Mariä, Heimsuchung Mariä. An der oberen Brüstung: Vertreibung der Händler aus

dem Tempel, Hl. Cäcilia mit zwei Feldern mit Musikinstrumenten um 1900, Moses mit den Gesetzestafeln.

Einrichtung

Die drei Altäre stammen aus der Zeit um 1770. Sie wurden im späten 19. Jahrhundert neu gefasst und zum Teil verändert. Das Mittelbild des Hoch-altars in geschwungenem Rundbogen stellt die Kirchenpatronin St. Anna mit Joachim und Maria dar und ist ein Werk von Johann Kaspar aus Obergünzburg (1861).

 

Die Seitenaltäre sind dem Hochaltar sehr ähnlich, wobei der rechte Altar angeblich nach einem Brand (am 19.01.1831) nachgebildet ist.

 

In den Mittelnischen mit Neurokoko-Rahmen finden sich links eine Statue der Maria Immaculata (um 1750) und rechts eine des Hl. Sebastian (2. Hälfte des 18. Jhd.). Darüber sind die Monogramme Mariä und Christi zu erkennen.

Bei Maria Immaculata stehen zwei gefasste Holzblumen in Vasen. Jeden Sei-tenaltar ziert ein barockes Reliquiar. Auf dem linken Seitenaltar stand früher eine andere Marienstatue. Diese kam 1980 in die Marienkapelle am westli-chen Ortsausgang. An der Südwand ist der Hl. Johannes Nepomuk (um 1750) und an der Nordwand St. Anna Selbdritt platziert (s. auch Kapitel „Geschichte der Kirche“).

Die Kanzel ist ein Werk aus dem Spätrokoko um 1770 vom gleichen Schreiner wie die Altäre. Sie wurde im späten 19. Jahrhundert dunkel gebeizt, mit ver-goldeten Ornamenten. An der Stirnseite sieht man ein Relief mit dem Pfingst-wunder, das wohl aus der gleichen Zeit stammt. Auf dem Schalldeckel tummeln sich vier Engelputten; zwei halten die Gesetzestafeln, darüber die Hl. Geist-Taube im Strahlenkranz. Außerdem beleben vier geflügelte Engels-köpfchen den Deckel.

 

Das Chorgestühl entstammt der Zeit um 1770. Es besitzt eine fünfteilige Brüstung mit drei schmalen Rocaille- und zwei breiten Rechteckfeldern. An den Wangen befindet sich Rocailleschnitzerei, die Rückwände sind ent-sprechend den Brüstungen behandelt.

 

Das Gestühl im Kirchenschiff mit kräftigen, geschweiften Docken mit Laub-werk stammt wohl von dem Kistler Joseph Langenmaier aus Steinekirch, wie der Inschrift „I.L. 1717“ auf einer Wange zu entnehmen ist.

Der Taufstein stammt aus der zwei-ten Hälfte des 18. Jahrhunderts und besteht aus gefasstem Holz.

Er steht in einer Nische neben der Sakristeitür als geschwungener Kasten mit eingelassenem Becken und gefassten Statuetten der Tauf-gruppe: Johannes d.T. und Jesus.

Im Langhaus und im Chor hängen die Kreuzweg-Bilder in Öl auf Lein-wand aus der Mitte des 19. Jahr-hunderts.

Die 15. und 16. Station,(Beweinung Christi und büßende Hl.Magdalena) wohl von Johann oder Josef Sche-rer aus Ettelried (Ende 19. Jahr-hunderts) und ein Ölbild auf Holz, Hl. Johannes Ev., bez. J. (Joseph) Scherer (Mitte des 19. Jahrhunderts) sind im Pfarrzentrum im OG und in der Bücherei.

Sakristeieinrichtung: Schrank aus gebeiztem Eichenholz mit geschweiftem Oberteil, Eierstabfries und Girlanden; die aufgesetzte Vase mit Jahreszahl 1792; Lavabo aus Zinn (Mitte 19. Jahrhundert).

Im Chor rechts als Statuen der Hl. Leonhard und die Hl. Katharina von Alexandrien mit dem Rad. Links der Hl. Florian und die Hl. Barbara mit dem Turm. Nach einer mündlichen Information sind die beiden Frauenstatuen seit der Kirchenrenovierung 1972/73 Dauerleihgaben der Hospitalstiftung.

In der Weihnachtszeit wird die sogenannte Pausenberger-Krippe (um 1950) mit elf Figuren aufgestellt. Bildhauer Pausenberger (gestorben 1978) hatte in Dinkelscherben ver-wandtschaftliche Beziehungen und arbeitete nach dem 2. Weltkrieg einige Jahre in einer Werkstatt im Auer

Kirchweg.

In der Fastenzeit werden am Hochaltar und an den beiden Seitenaltären sogenannte Fastenbilder angebracht, die von Josef Kober in Göggingen 1864 gemalt wurden. Sie zeigen:Christus am Ölberg, Ecce homo und Schmerzhafte Muttergottes.

In der Karwoche wird ein sogenanntes „Heiliges Grab“ (Grabaufbau mit zwei Soldaten (1930) mit Grabheiland (1920/30) und zwei Engeln (um 1855) errichtet. Es wurde von Georg/Franz Saumweber in Günzburg gefertigt.

Epitaphien

Selten findet man eine so große Zahl von Epitaphien an einer Kirche wie bei St. Anna. Es sind über 30 Grabtafeln an der Nord- und Südwand, dazu noch einige in der Kirche selbst. Hinter dem Hochaltar befindet sich eine große Sandsteinplatte mit Brustbild und Wappen des Kanonikus Georg von Hürn-heim (gest. 1537). Bei den Seitenaltären findet man Epitaphien von Pfarrer Kerner (gest. 1761) und Pfarrer Graf (gest. 1760).